Pressespiegel

WOZ Nr. 17 vom Donnerstag, 24.04.2014
KULTOUR Musiktheater

Heller Morgenstern
Christian Morgenstern, der vor hundert Jahren starb, wünschte sich Anerkennung für seine ernsten Werke, aber sein Ruhm gründet allein auf den «Galgenliedern» und weiteren humoristischen Zyklen wie «Palmström»: Die tiefsinnigen und formal unwiderstehlichen Nonsensgedichte sind Fixsterne im Kanon der deutschsprachigen Literatur – und sie rufen geradezu nach musikalischer und theatraler Umsetzung. Das Duo MeierMoser & der Huber haben sich diese nun mit «Galgenbruders Erben» auf kongeniale Weise vorgenommen. Den Multiperformern ist vom Toy-Piano über die Singende Säge bis zu Tuba, Maultrommel und Bassklarinette jedes Instrument recht, um Morgensterns Verse, die immer noch Gross und Klein begeistern, frisch zu beleuchten.

Martin Schumacher, von dem die Kompositionen stammen, gibt als Moser auf der Bühne einen meist genervten halbseidenen Künstler, Lukas Roth als der Huber dafür den unbeirrbar gut gelaunten Unterhalter, während Christoph Gantert als stets geschundener Meier besonders tief in die Abgründe von Text und Welt blicken lässt. Unvergesslich ist etwa die Interpretation von «Die zwei Parallelen» oder «Der Steinochs», urkomisch ist die ganze Revue.

Jürg Fischer


 

Andelfinger Zeitung, Dienstag 23. September 2014
Rheinau: Kultur Finten präsentierte Galgenbruders Erben

Klamauk um Galgenlieder
Das Duo «MeierMoser & der Huber» entführte sein Publikum mit einem theatral-musikalischen Tauchgang in die Welt von Christian Morgenstern.

Gewagt, aber gut. So liesse sich der Auftritt des Duos «MeierMoser & der Huber» alias Galgenbruders Erben in der Klosterscheune Rheinau beschreiben. Organisiert wurde der Anlass von der Kulturgruppe Finten.

Die meist laut daherkommende archaisch-sinnliche Mischung von Theater, Dialog und Musik lotet den wunderbaren freien Raum zwischen Unsinn und Tiefsinn aus. Dabei dienen neue Vertonungen ausgewählter Galgenlieder des Poeten Christian Morgenstern als zentrales Element.

Sammelsurium alter Instrumente
Schon die diversen alten Instrumente auf der Bühne der Scheune mit kahlem Gemäuer und einer Leiter mit 21 Sprossen, die auf die Heudiele führt, versprach etwas Besonderes: Und was die Galgenvögel den Zuhörern servierten, war tatsächlich aussergewöhnlich. Die drei unterschiedlichen Charakterköpfe in grauen Flamellanzügen eroberten das Publikum mit ihren Limericks, Musikeinlagen und schauspielerischen Gags im Nu. Der oft sonore Ton der Instrumente wechselte ab mit witzigen Blödeleien.

Das Publikum wunderte sich, was für Töne eine grosse Säge mit Geigenbogen hergeben kann – so klang sie mal schauerlich, dann wie ein langgezogener Ruf eines Uhus im Wald. Dem Galgen kam man auf die Spur, als ein Mörder verurteilt wurde – dargestellt mit furiosem Schlagzeugeinsatz. Der Zuhörer fand sich handkehrum in einem böhmischen Dorf wieder – dargestellt mit Tuba-, Klarinetten-, und Saxofoneinsätzen leicht sentimentaler Art. Liebliche Klänge gab es immer wieder mit dem Örgeli und der Ukulele.

Vielfältige Kurzszenen
Unglaublich vielfältig waren die etwa zwei Dutzend Kurzszenen, die mit griffigen Dialogen zu den Worthülsen Weltanschauung, Liebe oder Sphinx für Philosophen bereichert wurden – begleitet von den Instrumenten. Gebärden und Mimik der Schauspieler – immer angepasst an die jeweilige Szene – waren meisterlich und herausfordernd.

Alles in allem boten Galgenbruders Erben ihrem Publikum einen vergnüglichen Abend. Der herzliche Applaus, den das Publikum dem Trio spendete, war mehr als verdient.

Barbara Flacher


Zürich Oberländer ZO / Anzeiger von Uster AvU, Donnerstag, 20. November 2014

Regionalkultur

Zwischen Witz und Tiefsinn
Zürich/Uster Das Trio MeierMoser & der Huber kombiniert Konzertantes mit Theater und Tiefsinn Mit Irrsinn – und ist dabei witzig.

Dürfen Schauspieler ohne Vorankündigung oder Schlussakkord ihr Stück beenden und den Zuschauer ohne irgendeinen Halt stehen lassen? Das zumindest geschah bei der Aufführung des Stücks «Galgenbruders Erben» in Zürich und so wird es morgen Freitag wohl auch in Uster wieder geschehen: Das Duo MeierMoser mit den zwei Oberländer Musikern Martin Schumacher und Lukas Roth verliess mitten im Stück einfach die Bühne. Sie bliesen in ihre Instrumente und sangen «Das Mondschaf» von Christian Morgenstern haltlos und monoton ins Nichts hinaus.

Dann folgte Stille und der Zuschauer blieb verwirrt zurück. Um sich dann zu fragen: Was bedeutet Leere? Was ist überhaupt ein Schluss? Was ist ein Stück? Was bedeutet Ende und was Stille? Wo hört der Humor auf und wo fängt die Philosophie an?

Aphoristische Wortspiele
Der deutsche Dichter Christian Morgenstern, welcher vor 100 Jahren gestorben ist, hat die Tiefe eines guten Witzes erkannt. Seine «Galgenlieder» sind von einem Humor, welcher nicht einfach witzig ist, sondern den Leser auch zum Grübeln bringt – aphoristische Wortspiele, die in Kürze einen Raum aufmachen, der über das rein Gesagte hinausweist. Diese Kunst wird bei den Philosophen Friedrich Nietzsche, Georg Christoph Rosenberg und Ludwig Wittgenstein auf die Spitze getrieben.

Im von Martin Schumacher zu einem musikalischen Theater vertonten Stück tauchten solche Denkanstösse immer wieder auf. Etwa wenn einer der drei Künstler den Schriftsteller zitierte:

«Die Welt ist ohne Salz, lasst uns nach Salz gehen», und der andere die unsinnige Aussage mit der Frage pointierte: «Und wenn es Pfeffer wäre?»

Ähnliches bewirkte die Geschichte über die Parallelen, welche sich endlos lange nicht schneiden wollten und plötzlich realisierten, was für eine wahnsinnige Existenz sie doch führten: «Doch als sie zehn Lichtjahre gewandert neben sich hin, da wards dem einsamen Paare nicht irdisch mehr zu Sinn, warn sie noch Parallelen?, sie wussten es selber nicht, sie flossen nur wie zwei Seelen, zusammen durch ewiges Licht.»

Das Duo MeierMoser – ergänzt mit dem Huber, Christoph Gantert – und die Regisseurin Delia Dahinden konzentrierten sich aber nur am Rand auf Philosophie. Sie fokussierten auf den wunderbaren Unsinn der Gedichte und übertrugen die Wortspiele gekonnt in eine ganz eigene Situationskomik. Da hält einer einen hochwissenschaftlichen Vortrag über die Definition des «Mondschafs», während die anderen beiden mit Marktgeschrei und quietschenden Tönen dazwischen fahren.

Professionelle Musiker
Manchmal zerriss einen als geneigter Zuhörer und Zuschauer dieser Humor fast. Etwa wenn alle drei Darsteller im völligen Irrsinn auf ihren Instrumenten herumklimpern: Ein viel zu grosser Martin Schumacher beugte sich über sein Zwergenklavier, Lukas Roth wandte ihm den Rücken zu und zupfte kurz vor seinem Gefühlsausbruch über die Saiten seiner Ukulele und Christoph Gantert kreischte mit dem Schlegel irgendwo zwischen Autismus und Wahnsinn über das Hi-Hat.

In allem Chaos geriet aber weder das Stück noch die Musik aus den Fugen. Das Trio sang mit einem warmen Ton und spielte seine Instrumente präzis. Ob singende Säge, Maultrommel, Toy Piano oder Megafon – die Musiker zogen alle Register. Die schauspielerische Umsetzung wirkte natürlich und nie aufgesetzt. Die Pointen sassen und waren nie peinlich. Das Publikum wippte mit dem Kopf zum Takt, andere sangen lauthals mit. «Galgenbruders Erben» sei sowohl dem Grübler wie auch dem Humoristen empfohlen.

Lukas Elser


Publikumsreaktionen zu “Galgenbruders Erben”

“Ich habe gestern einen wunderbaren Abend mit Galgenbruders Erben verbracht, habe geschmunzelt, gelacht, mitrezitiert, innerlich getanzt, gestaunt, bewundert, manchmal mit Meier Erbarmen gehabt… Welch gelungener Abend!” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

“Ihre Schau mit der konzisen Textauswahl, den witzigen Songmelodien, den originellen Arrangements, den überraschendene Regieeinfällen und vor allem der Präsenz der drei Agierenden hat mich von der ersten Minute bis zur Lismi-Zugabe gepackt. Ganz herzlichen Dank!” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

“Woher habt Ihr diesen wunderbaren Humor? Wie kommt es, dass Ihr so fantastisch rezitiert, schauspielert, zu Eurem musikalischen Spiel noch dazu? Und, fragt sich die Germanistin, wie könnt Ihr den Morgenstern so zum Leben erwecken?” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

“Hat uns sehr gefallen! Gekonnt! Lustig! Ernst! Komisch! Rhythmisch! Schrill! Besonnen! Mitreißend! Danke.” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

Ich habe heute mit meiner Klasse gesprochen. Sie waren begeistert von Galgenbruders Erben. Sie haben durch das Stück einen neuen Zugang zu Gedichten gefunden, scheint mir. (Ich mache gerade Lyrik mit ihnen und versuche eine neue, unverstaubte Sichtweise darauf zu vermitteln.) Der subtile Einsatz von Musik, der den Worten nicht im Wege stand, sondern sie erst recht zum Blühen brachte, die lakonische Komik der Figuren, insgesamt der hintersinnige, fast hätte ich geschrieben, hinterhältige Humor, verkleideter Tiefsinn sozusagen, der auch seine berührenden Momente hat – all das hat meine Klasse gepackt. Und den Lehrer auch. (Zürich, Kochareal, September 2014)

Einen Riesen Dank für einen total wunderbar liebevollen und lustig verspielten Theaterabend auf höchstem Niveau. Euer Spiel letzten Freitag war mir auf allen Ebenen (die ich erfassen konnte) purer Genuss. (Basel, Das Atelier, November 2014)


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