Pressespiegel
Duo MeierMoser & der Huber

 

Dienstag, 4. April 2017
Zürich Oberländer ZO / Anzeiger von Uster AvU
Regionalkultur

Tomatensuppe als Manifest der Freiheit
USTER Unter dem Titel «Die Tomatensuppenschleuder» legte das Duo MeierMoser & der Huber am vergangenen Wochenende im Central in Uster eine hinreissende musikalisch-theatrale Abklärung auf den Spuren von Dada vor.

Wenn das Duo MeierMoser & der Huber ihre «Tomatensuppenschleuder» in Betrieb setzen, dann erhält jeglicher Sinn Freigang, und Nonsense ist angesagt. Zum 100. Geburtstag der  antibürgerlichen Kunstbewegung im Cabaret Voltaire in Zürich haben sich die drei eine genial anarchische Bühnenperformance ausgedacht, die erreicht, was die Gründerväter Hugo Ball und andere einst beabsichtigten. Nämlich inhaltlich das Nichts und nichts weniger als künstlerische Freiheit ausserhalb von Schubladen wie Musik oder Theater. Der Abend ist eine «Abklärung auf den Spuren von Dada» und klärt das Publikum über die Möglichkeiten freien Denkens und Fühlens auf. Der lange Applaus im voll besetzten Theater zeigte, dass sich das Publikum gerne auf die Spuren von Dada gemacht hatte.

Umwerfende Improvisation
Nur schon mit dem Auftakt der drei Schauspieler, deren Köpfe in Pappröhren steckten, bekam Dada sein Fett weg, denn Dada veräppelte selbst nichts lieber als «bürgerliche» Kunst. Die Hommage an Hugo Balls legendären Auftritt im Cabaret Voltaire, mit grotesker Pappröhre auf dem Kopf, gab den Tarif durch: Hier werden historische Leichen gefleddert, Auftakte vermasselt und in Abgänge gestolpert. So machten sich die drei nach Befreiung ihrer Kopfbedeckung über das Arsenal ihrer Instrumente her. Die Musik (Martin Schumacher) mäandert zwischen so ziemlich allen Musikstilen und macht selbst vor Grössen wie Arnold Schönberg nicht halt, dessen Prinzipien der freien musikalischen Improvisation mit Tomatensuppe wiederbelebt wurde. Es galt, eine Konservenbüchse zu knacken dafür, denn auch der Künstler Andy Warhol war mit seinen frechen Bildern einer Suppenbüchse irgendwie ein Kind von Dada. Dramatisches Finale der bühnenwirksam verschleuderten Tomatensuppe: Eine umwerfende Klangimprovisation nach Suppenklecksen auf Notenpapier. Das Orchester: Blech, Plastic und Blockflöten, die über Luftmatratzen-Pumpen zu ganz eigenen Klängen belüftet wurden. Dazwischen A-capella-Gesänge oder Klänge irgendwo zwischen Klezmer und Klassik, deren Stil in keine Tüte passt.

Surreale Atmosphäre
Der Abend lebte von der intimen Verbindung der Musik und mit den launig dargebotenen Texten durch die drei Herren, die in bürgerlich dunklen Anzügen auftraten (Kostüm: Natalie Péclard) und ihre Bärte auch mal zu Perücken werden liessen. Während des Abends übten Karpfen im Fitnessfimmel den Spagat oder sanken tief im Suff. Ein Karpfenmädel liess sich treiben – und ward nicht mehr gesehen. Überhaupt spielte der Karpfen eine Hauptrolle, so er denn gegen die Strömung der Tomatensuppe anschwimmen konnte. Ein Krapfen, welcher Karpfen werden wollte, wird allerdings von einer Forelle gefressen. Melancholisch dagegen der Franz, der traurige Planet, der stets zu spät aufsteht. Die Texte von Hugo Ramnek (s. Kasten) entfalteten mit ihren Wortspielereien und Klangmalereien eine ganz surreale Atmosphäre, die dem Publikum viel Freiraum für eigene Assoziationen liess. Der Abend verlief – wer hätte es gedacht – ohne traditionelle Akte oder Szenen. Dennoch entstand ein stimmiger szenischer Bogen, der von Regisseurin Delia Dahinden subtil über den Abend gespannt wurde. Im meisterhaft geführten Bühnenlicht (Antje Brückner) lebte der Geist von Dada auf: ein Publikumsschreck mit Drang zu absoluter Freiheit und gleichzeitig ein Nichts, in dem eigene Gedanken ihre ganz verschlungenen Wege suchen konnten.

Erinnerung an DADA – «Womit erschreckt man heute die Leute?»
«Für uns ist es ein Heimspiel», schmunzelt Lukas Roth im Gespräch nach der Aufführung. Uster ist für zwei von den drei dauernd oder zeitweilig Wohnort. «Vor Ustermer Publikum zu spielen, ist wunderbar», sagt er. Dadaismus ist eine Bewegung, die sich vor 101 Jahren gegen das Establishment und seine Konventionen gerichtet hat, so der Schauspieler. Das Trio habe sich überlegt, wie es die Erinnerung an die Zürcher Bewegung im Cabaret Voltaire wachhalten könnte. «Wir wollten keine bekannten Texte rezitieren, denn das wäre museal gewesen», so Roth. Und Dada war so ziemlich das völlige Gegenteil von museal, findet er. «Womit erschreckt man die Leute heute?», hätten sie überlegt. Mit künstlerischer Freiheit – seien sie sich einig gewesen. Darum haben sie auch die Texte des Dichters Hugo Ramnek, 1960 geborener Kärntner, inzwischen Schriftsteller und Lehrer am Liceo Artistico in Zürich, genommen. «Dessen schräge Kippverse haben wir für die Bühne umgesetzt», so Roth. Seine Lieblingsszene? «Ein Karpfen, welcher sehr beleibt», sagt er. Die intensive Interaktion der Akteure auf der Bühne mag er. Am liebsten hat er die Momente, in denen nichts passiert. Hier kann sich das Publikum alle Freiheit nehmen. «Es erhält Raum, seine eigenen Gedanken zu machen», so Roth.

Christina Peege


19.05.2014
Züritipp

Hugo ohne Ball
Dada, neu entfacht und neu gedacht: ein literarisch-musikalisches Cabaret.

Dada und kein Ende. Rundum und überall. Umso lobesamer, dass sich das Duo MeierMoser & der Huber, bestehend aus den Polymusikern Christoph Gantert, Martin Schumacher sowie Lukas Roth, nicht damit begnügt, Dada aufzuwärmen, zu rezyklieren, zu reloaden. Oh nein, das famose Triumvirat schickt sich an, Dada nicht gerade neu zu erfinden, aber zumindest die kecke Frage zu stellen: Dada heute? Entsprechend werden in „Die Tomatensuppenschleuder“ nicht die verblichenen Grossen jener Tage, wie etwas Hugo Ball, zi-, rezi- und kolportiert, sondern Martin Schumachers skurril-versponnene Vertonungen von hintersinnigen Gedichten des noch sehr lebendigen Kärtner Schriftstellers Hugo Ramnek, der seit Jahren in Zürich lebt.
Dass dabei so ziemlich sämtliche Instrumente zum Zug, Zupf, Blas und Schlag kommen, die man sich vorstellen kann, weiss man seit der erfolgreichen Morgenstern-Hommage des vielseitigen Trios. Dass dabei aber auch aberwitzige Kompositionsmethoden zum Einsatz kommen, verrät Martin Schumacher nur widerwillig und nur, wenn der „Züritipp“ es nicht weitersagt. Deshalb muss hier an die Imagination der Leserschaft appelliert werden: Tomatensuppenspritzer auf weissen Notenblättern – wie sieht das aus? Genau! Instant-Komposition à la Jackson Pollock unter dem Motto „Tomato con spirito“!

Bruno Rauch


Donnerstag, 20. November 2014
Zürich Oberländer ZO / Anzeiger von Uster AvU
Regionalkultur

Zwischen Witz und Tiefsinn
Zürich/Uster Das Trio MeierMoser & der Huber kombiniert Konzertantes mit Theater und Tiefsinn Mit Irrsinn – und ist dabei witzig.

Dürfen Schauspieler ohne Vorankündigung oder Schlussakkord ihr Stück beenden und den Zuschauer ohne irgendeinen Halt stehen lassen? Das zumindest geschah bei der Aufführung des Stücks «Galgenbruders Erben» in Zürich und so wird es morgen Freitag wohl auch in Uster wieder geschehen: Das Duo MeierMoser mit den zwei Oberländer Musikern Martin Schumacher und Lukas Roth verliess mitten im Stück einfach die Bühne. Sie bliesen in ihre Instrumente und sangen «Das Mondschaf» von Christian Morgenstern haltlos und monoton ins Nichts hinaus.
Dann folgte Stille und der Zuschauer blieb verwirrt zurück. Um sich dann zu fragen: Was bedeutet Leere? Was ist überhaupt ein Schluss? Was ist ein Stück? Was bedeutet Ende und was Stille? Wo hört der Humor auf und wo fängt die Philosophie an?

Aphoristische Wortspiele
Der deutsche Dichter Christian Morgenstern, welcher vor 100 Jahren gestorben ist, hat die Tiefe eines guten Witzes erkannt. Seine «Galgenlieder» sind von einem Humor, welcher nicht einfach witzig ist, sondern den Leser auch zum Grübeln bringt – aphoristische Wortspiele, die in Kürze einen Raum aufmachen, der über das rein Gesagte hinausweist. Diese Kunst wird bei den Philosophen Friedrich Nietzsche, Georg Christoph Rosenberg und Ludwig Wittgenstein auf die Spitze getrieben.
Im von Martin Schumacher zu einem musikalischen Theater vertonten Stück tauchten solche Denkanstösse immer wieder auf. Etwa wenn einer der drei Künstler den Schriftsteller zitierte: «Die Welt ist ohne Salz, lasst uns nach Salz gehen», und der andere die unsinnige Aussage mit der Frage pointierte: «Und wenn es Pfeffer wäre?»
Ähnliches bewirkte die Geschichte über die Parallelen, welche sich endlos lange nicht schneiden wollten und plötzlich realisierten, was für eine wahnsinnige Existenz sie doch führten: «Doch als sie zehn Lichtjahre gewandert neben sich hin, da wards dem einsamen Paare nicht irdisch mehr zu Sinn, warn sie noch Parallelen?, sie wussten es selber nicht, sie flossen nur wie zwei Seelen, zusammen durch ewiges Licht.»
Das Duo MeierMoser – ergänzt mit dem Huber, Christoph Gantert – und die Regisseurin Delia Dahinden konzentrierten sich aber nur am Rand auf Philosophie. Sie fokussierten auf den wunderbaren Unsinn der Gedichte und übertrugen die Wortspiele gekonnt in eine ganz eigene Situationskomik. Da hält einer einen hochwissenschaftlichen Vortrag über die Definition des «Mondschafs», während die anderen beiden mit Marktgeschrei und quietschenden Tönen dazwischen fahren.

Professionelle Musiker
Manchmal zerriss einen als geneigter Zuhörer und Zuschauer dieser Humor fast. Etwa wenn alle drei Darsteller im völligen Irrsinn auf ihren Instrumenten herumklimpern: Ein viel zu grosser Martin Schumacher beugte sich über sein Zwergenklavier, Lukas Roth wandte ihm den Rücken zu und zupfte kurz vor seinem Gefühlsausbruch über die Saiten seiner Ukulele und Christoph Gantert kreischte mit dem Schlegel irgendwo zwischen Autismus und Wahnsinn über das Hi-Hat.
In allem Chaos geriet aber weder das Stück noch die Musik aus den Fugen. Das Trio sang mit einem warmen Ton und spielte seine Instrumente präzis. Ob singende Säge, Maultrommel, Toy Piano oder Megafon – die Musiker zogen alle Register. Die schauspielerische Umsetzung wirkte natürlich und nie aufgesetzt. Die Pointen sassen und waren nie peinlich. Das Publikum wippte mit dem Kopf zum Takt, andere sangen lauthals mit. «Galgenbruders Erben» sei sowohl dem Grübler wie auch dem Humoristen empfohlen.

Lukas Elser


Dienstag 23. September 2014
Andelfinger Zeitung
Rheinau: Kultur Finten präsentierte Galgenbruders Erben

Klamauk um Galgenlieder
Das Duo «MeierMoser & der Huber» entführte sein Publikum mit einem theatral-musikalischen Tauchgang in die Welt von Christian Morgenstern.

Gewagt, aber gut. So liesse sich der Auftritt des Duos «MeierMoser & der Huber» alias Galgenbruders Erben in der Klosterscheune Rheinau beschreiben. Organisiert wurde der Anlass von der Kulturgruppe Finten.
Die meist laut daherkommende archaisch-sinnliche Mischung von Theater, Dialog und Musik lotet den wunderbaren freien Raum zwischen Unsinn und Tiefsinn aus. Dabei dienen neue Vertonungen ausgewählter Galgenlieder des Poeten Christian Morgenstern als zentrales Element.

Sammelsurium alter Instrumente
Schon die diversen alten Instrumente auf der Bühne der Scheune mit kahlem Gemäuer und einer Leiter mit 21 Sprossen, die auf die Heudiele führt, versprach etwas Besonderes: Und was die Galgenvögel den Zuhörern servierten, war tatsächlich aussergewöhnlich. Die drei unterschiedlichen Charakterköpfe in grauen Flamellanzügen eroberten das Publikum mit ihren Limericks, Musikeinlagen und schauspielerischen Gags im Nu. Der oft sonore Ton der Instrumente wechselte ab mit witzigen Blödeleien.
Das Publikum wunderte sich, was für Töne eine grosse Säge mit Geigenbogen hergeben kann – so klang sie mal schauerlich, dann wie ein langgezogener Ruf eines Uhus im Wald. Dem Galgen kam man auf die Spur, als ein Mörder verurteilt wurde – dargestellt mit furiosem Schlagzeugeinsatz. Der Zuhörer fand sich handkehrum in einem böhmischen Dorf wieder – dargestellt mit Tuba-, Klarinetten-, und Saxofoneinsätzen leicht sentimentaler Art. Liebliche Klänge gab es immer wieder mit dem Örgeli und der Ukulele.

Vielfältige Kurzszenen
Unglaublich vielfältig waren die etwa zwei Dutzend Kurzszenen, die mit griffigen Dialogen zu den Worthülsen Weltanschauung, Liebe oder Sphinx für Philosophen bereichert wurden – begleitet von den Instrumenten. Gebärden und Mimik der Schauspieler – immer angepasst an die jeweilige Szene – waren meisterlich und herausfordernd.
Alles in allem boten Galgenbruders Erben ihrem Publikum einen vergnüglichen Abend. Der herzliche Applaus, den das Publikum dem Trio spendete, war mehr als verdient.

Barbara Flacher


Donnerstag, 24.04.2014
WOZ – Die Wochenzeitung
KULTOUR Musiktheater

Heller Morgenstern
Christian Morgenstern, der vor hundert Jahren starb, wünschte sich Anerkennung für seine ernsten Werke, aber sein Ruhm gründet allein auf den «Galgenliedern» und weiteren humoristischen Zyklen wie «Palmström»: Die tiefsinnigen und formal unwiderstehlichen Nonsensgedichte sind Fixsterne im Kanon der deutschsprachigen Literatur – und sie rufen geradezu nach musikalischer und theatraler Umsetzung. Das Duo MeierMoser & der Huber haben sich diese nun mit «Galgenbruders Erben» auf kongeniale Weise vorgenommen. Den Multiperformern ist vom Toy-Piano über die Singende Säge bis zu Tuba, Maultrommel und Bassklarinette jedes Instrument recht, um Morgensterns Verse, die immer noch Gross und Klein begeistern, frisch zu beleuchten.
Martin Schumacher, von dem die Kompositionen stammen, gibt als Moser auf der Bühne einen meist genervten halbseidenen Künstler, Lukas Roth als der Huber dafür den unbeirrbar gut gelaunten Unterhalter, während Christoph Gantert als stets geschundener Meier besonders tief in die Abgründe von Text und Welt blicken lässt. Unvergesslich ist etwa die Interpretation von «Die zwei Parallelen» oder «Der Steinochs», urkomisch ist die ganze Revue.

Jürg Fischer


Publikumsreaktionen zu “Galgenbruders Erben”

“Ich habe gestern einen wunderbaren Abend mit Galgenbruders Erben verbracht, habe geschmunzelt, gelacht, mitrezitiert, innerlich getanzt, gestaunt, bewundert, manchmal mit Meier Erbarmen gehabt… Welch gelungener Abend!” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

“Ihre Schau mit der konzisen Textauswahl, den witzigen Songmelodien, den originellen Arrangements, den überraschendene Regieeinfällen und vor allem der Präsenz der drei Agierenden hat mich von der ersten Minute bis zur Lismi-Zugabe gepackt. Ganz herzlichen Dank!” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

“Woher habt Ihr diesen wunderbaren Humor? Wie kommt es, dass Ihr so fantastisch rezitiert, schauspielert, zu Eurem musikalischen Spiel noch dazu? Und, fragt sich die Germanistin, wie könnt Ihr den Morgenstern so zum Leben erwecken?” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

“Hat uns sehr gefallen! Gekonnt! Lustig! Ernst! Komisch! Rhythmisch! Schrill! Besonnen! Mitreißend! Danke.” (zur Premiere im sogar theater, März 2014)

Ich habe heute mit meiner Klasse gesprochen. Sie waren begeistert von Galgenbruders Erben. Sie haben durch das Stück einen neuen Zugang zu Gedichten gefunden, scheint mir. (Ich mache gerade Lyrik mit ihnen und versuche eine neue, unverstaubte Sichtweise darauf zu vermitteln.) Der subtile Einsatz von Musik, der den Worten nicht im Wege stand, sondern sie erst recht zum Blühen brachte, die lakonische Komik der Figuren, insgesamt der hintersinnige, fast hätte ich geschrieben, hinterhältige Humor, verkleideter Tiefsinn sozusagen, der auch seine berührenden Momente hat – all das hat meine Klasse gepackt. Und den Lehrer auch. (Zürich, Kochareal, September 2014)

Einen Riesen Dank für einen total wunderbar liebevollen und lustig verspielten Theaterabend auf höchstem Niveau. Euer Spiel letzten Freitag war mir auf allen Ebenen (die ich erfassen konnte) purer Genuss. (Basel, Das Atelier, November 2014)


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